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Geschichte der Juden Badens
Die ersten Urkunden, die Auskunft über den Aufenthalt von Juden im badischen
Gebiet geben, stammen vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Neben staatlichen
Urkunden und Akten gibt es auch einige wenige jüdische Aufzeichnungen. In
den jüdischen Gemeinden war es vom Mittelalter bis zur Mitte des 19.
Jahrhunderts üblich, die Erinnerung an wichtige - meist traurige -
Ereignisse und an die Taten hervorragender Männer und Frauen in
Memorbüchern festzuhalten. Das Mittelalter war für Juden eine Zeit der
Verfolgung und des Leidens. Im Jahre 1235 wurden die Juden angeklagt,
einen Christen ermordet zu haben, um sein Blut zu rituellen Zwecken zu
missbrauchen. Der schlimmsten Verfolgungswelle waren die Juden in den Jahren
der großen Pest 1348/49 ausgesetzt. Viele der überlebenden wanderten
damals nach Osten, in die slawischen Länder, wo sie mit offenen Armen
empfangen wurden.
Die 1862 gewonnene vollständige bürgerliche Gleichstellung wurde nun in die
Tat umgesetzt. Nach dem Emanzipationsgesetz konnten Juden als Beamte
und Lehrer arbeiten. Gielingen hatte von 1870 bis 1884 mit Leopold
Guggenheim als erste badische Stadt einen jüdischen Bürgermeister. 25
Jahren besetzte Moritz Ellstätter das Ministerium der Finanzen. Am Krieg
1870/71 gegen Frankreich nahmen auch eine beträchtliche Zahl jüdischer
Soldaten teil, sie waren bereit ihr Leben für das neu gewonnene Vaterland zu
opfern. Hatte man in der Euphorie des Krieges noch geglaubt, die Zeit der
Judenverfolgung sei nun für immer vorüber, wurde man rasch eines
schlechteren belehrt. Ende der 80er Jahre erlebte der Antisemitismus einen
neuen Aufschwung. Der Oberrat musste in diesen Jahren mehrmals gegen
antisemitische Hetzpropaganda einschreiten. Der größere Teil der
Judenschaft des Deutschen Reiches hatte sich 1893 im "Centralverein
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zusammengeschlossen, um
mit einem zentralen Organ tatkräftiger die jüdischen Interessen gegen
die Anfeindungen vertreten zu können. Durch den ersten Zionistenkongress
in Basel (1897) wurden weite jüdische Kreise auf die Programmatik
dieser nationaljüdischen Idee aufmerksam gemacht. Die ersten Ortsgruppen
entstanden in Freiburg und Mannheim. Erst der wachsende Antisemitismus
vergrößerte die Zahl der Anhänger des Zionismus. Im Ersten Weltkrieg
waren 4758 badische Juden zum Wehrdienst einberufen; 589 von ihnen ließen
ihr Leben für ihr Vaterland. Nach dem verlorenen Krieg wurde in Baden die
Monarchie abgeschafft. Die verkündete Verfassung erklärte Baden zur
Republik, in der alle staatlich anerkannten kirchlichen und
religiösen Gemeinschaften rechtlich gleichgestellt waren.1933 lebten in
Baden 20617 Juden. In 221 Orten existieren 123 selbständige Gemeinen.
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