In Ettlingen lebten seit dem 14. Jahrhundert Juden. Im Verlauf
des 19. Jahrhunderts nahm ihre Zahl zu und erreichte um 1900 mit
70 Personen ihren Höchststand. Von 1827 an zum
Rabbinatsbezirk Karlsruhe gehörig, wurde die Ettlinger
Judengemeinde 1885 der Bezirkssynagoge Bühl zugeteilt. Die
Toten wurden auf dem jüdischen Verbandsfriedhof in Kuppenheim
bestattet. Seit etwa 1819 diente ein gemietetes Haus als
Andachtsraum. 1833 ist erstmals der Synagogenrat aktenkundig. Im
1848 kaufte die Gemeinde ein Grundstuck und richtete eine
Synagoge und ein Frauenbad ein.
Der Neubau wurde auf der nördlichen Seite der Pforzheimer Straße
(heute Nr. 33) errichten. Hier befand er sich in der
Nachbarschaft zweier weiterer öffentlicher Gebäude: des
Spitals und der Thiebautschule. Den Entwurf lieferte
der Architekt Alexander Kiefer. Am 5. Oktober 1888 wurde
die Synagoge durch Oberrabbiner Dr. Mayer aus Bühl eingeweiht.
Die Festgemeinde, zu der auch christliche Mitbürger zählten,
war zuvor nach einem Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge
in Begleitung des Musikzugs der Ettlinger Unteroffiziersschule
zum neuen Gotteshaus gezogen, wo ein Gemeinderat das Gebäude
unter den Schutz der Stadt nahm.
Die ganz in Werkstein ausgeführte, Stilformen der Renaissance
aufgreifende Fassade des Baus wies eine vertikale
Dreiteilung auf, indem zwei mit Kuppeldächern versehene
Eckrisalite den Mittelteil turmartig einrahmten. Die
Eckrisalite, mit hervorgehobenen Eckquadern im Erdgeschoss,
trugen im Obergeschoss je zwei Schrifttafeln, auf denen
Gebote und Psalmen in hebräische Schrift zitiert waren.
In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge unter Beteiligung
von Westwallarbeitern in Brand gesteckt. Bis Sommer 1939
war die angeblich einsturzgefährdete Ruine - auf Kosten
der jüdischen Gemeinde - abgetragen.