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Ehemalige Jüdische Gemeinde Müllheim

 Alte Synagoge in Müllheim in Hauptstraße

   

 Architekt: vermutlich Georg Jakob Schneider,
1851/52 erbaut, 1938 demoliert, 1968 abgebrochen

 

Müllheimes jüdische Geschichte reicht bis in das Jahr 1716 zurück, als Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach vier jüdische Schützbürger mit ihren Familien gegen einen jährlichen Zins in das südbadische Dorf aufnahm. Ihre Zahl sollte rasch anwachsen, vor allem nachdem 1727 der Verwaltungssitz der markgräflichen Herrschaft Badenweiler nach Müllheim verlegt worden war. 1729 wurde zwecks Anlegung einer Mikwe, des obligatorischen rituellen Reinigungsbads, ein Grundstück erworben. Bis zum Bau einer ersten Synagoge im Jahr 1754 begnügte man sich damit den synagogalen Gottesdienst in einem Raum im Privathaus eines Mitgliedes abzuhalten. Als Müllheims Judengemeinde um das Jahr 1800 mit 20 Familien etwa 120 Personen zählte, wurde ein Schulhaus gebaut.
Mit der Verleihung des Stadtrechts im Jahre 1810 gewann Müllheim zusätzlich an Attraktivität für die Juden, die sich in der Hauptsache von Vieh-, Wein- und Kramhandel ernährten 

bzw. ernähren mussten. Die relativ gute gemeindliche Infrastruktur sorgte für ständigen Zuzug. In den nachfolgenden Jahrzehnten ging die Mitgliederzahl der jüdische Gemeinde durch den Wegzug vieler ihrer Mitglieder in die größeren Städte stark zurück. 1864 lag die jüdische Einwohnerzahl bei 422 Personen.
1828 musste das alte Schulhaus zugunsten eines größeren Gebäudes aufgegeben werden. Einen eigenen Begräbnisplatz konnte die Gemeinde 1850 anlegen. Bis dahin hatte man die Toten auf dem Sulzburger Judenfriedhof beisetzen müssen.
1851 wurde mit dem Neubau einer Synagoge begonnen, nachdem die alte der großen Gemeinde nicht mehr ausreichend Platz bot. Als Architekten konnte man Georg Jakob Schneider, den Gewerbeschulhauptlehrer aus Freiburg gewinnen, der gerade seinen ersten Synagogenbau in Kippenheim zum Abschluss gebracht hatte.
1938 demolierten Nationalsozialisten das Innere der Synagoge; auf Brand- oder Sprengsätze verzichtete man, um die benachbarten Gebäude der Nichtjuden nicht zu gefährden. So überdauerte das Gotteshaus Nazizeit und Kriegsjahre, war aber seither dem Verfall preisgegeben, bis es 1968 abgebrochen wurde.
Heute erinnert nur mehr ein Gedenkstein an den Standort des einstiegen Zentrums der Müllheimer Judenschaft. Einige wenige Überreste der Synagoge findet man auf dem jüdischen Friedhof sowie im Heimatmuseum.