Geschichte der Juden in Mannheim

Geschichte

 

 

 

Die westliche Unterstadt war früher das Zentrum des jüdischen Mannheim. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten hier die meisten jüdischen Familien.  Hier waren die Synagogen, der alte Jüdische Friedhof, das Gemeindehospital und das rituelle Tauchbad. Später kamen noch die Betstübel der so genannten "Ostjuden" hinzu. Vor der Nazizeit gab es eine hebräische Buchhandlung, eine Toraschreiberwerkstatt, koschere Metzgereien und kleine Läden mit diversen religiösen Bedarfsgegenständen.

 

Die ersten jüdischen Familien kamen Mitte des 17. Jahrhunderts aus Pfeddersheim bei Worms und aus Amsterdam. Die Kurfürsten waren sehr an der Ansiedlung vermögender Juden interessiert, die der wiederholt kriegszerstörten Stadt zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen sollten. Kurfürstliche Konzessionen gewährten ihnen außergewöhnliche Freiheiten. Die jüdische Gemeinde entwickelte sich rasch und erlebte im 18. Jahrhundert durch die Verlegung des kurfürstlichen Hofes von Heidelberg nach Mannheim einen großen Aufschwung. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es 18 jüdische Hoffaktoren in der Stadt. Die meisten Mannheimer Juden lebten damals jedoch als Kaufleute und Handwerker in bescheidenen Verhältnissen. Viele waren sogar sehr arm und hatten kein Heimatrecht.

 

Die gesellschaftliche Liberalisierung nach der Französischen Revolution, brachte den Juden Badens allmählich die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Zum wirtschaftlichen Aufschwung Mannheims als Handels- und Industriestadt trugen jüdische Bankiers, Unternehmer, Kaufleute und Arbeiter bei. Juden wirkten in städtischen Ämtern und vielen Vereinen zum Wohle ihrer Heimatstadt oder traten als großbürgerliche Mäzene in Erscheinung.

 

Parallel zur äußeren gesellschaftlichen Emanzipation vollzog sich im 19. Jahrhundert auch eine innerjüdische Neuorientierung. Mannheim, mit der größten jüdische Gemeinde Badens, hatte hierbei neben Frankfurt am Main eine führende Rolle im deutschen Südwesten. Gegen die immer stärker werdende Assimilation formierte sich eine starke konservative Gegenkraft, die "Neo-Orthodoxie". In einigen Städten kam es infolge der Auseinandersetzung zwischen beiden Richtungen zu einer Spaltung der Gemeinden. In Mannheim gab es diesen Bruch zwar nicht, man blieb "Einheitsgemeinde", aber es bildeten sich auch hier zwei Zweige jüdischen Lebens mit jeweils eigenen Rabbinern. Die "Liberalen" hatten ihr Zentrum in der Hauptsynagoge (F2) und die "Orthodoxen" in der Klaussynagoge (F1). Beide Gruppen verstanden sich als "deutsche Juden", nicht als "Juden in Deutschland".

 

Den aufkommenden Antisemitismus beobachtete man zwar auch in Mannheim aufmerksam, stufte ihn aber nicht als ernste Gefahr ein. Der "Zionismus", die damals junge jüdische Nationalbewegung, galt als Perspektive für die armen "Ostjuden". Hierzulande war man deutschnational, liberal, sozialdemokratisch oder kommunistisch orientiert.

 

Vor dem Ersten Weltkrieg war Mannheim durch den jüdischen Rechtsanwalt Ludwig Frank mit einem sozialdemokratischen Abgeordneten im badischen Landtag und im deutschen Reichstag vertreten. Er warnte zwar 1913 vor den verheerenden Folgen eines Krieges, meldete sich aber bei Kriegsbeginn im August 1914 trotzdem freiwillig zur Front. Einen Monat später fiel er in Lothringen. Das "Reichsbanner" errichtete ihm in den zwanziger Jahren im Luisenpark ein Denkmal, das die Nazis 1933 zerstörten.

 

 

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