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Geschichte der Juden in Mannheim |
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| Jugend | |||
| Schulen | |||
![]() Cheder |
![]() Klausjeschiwa |
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Jüdische Kinder konnten vor 1933 den Religionsunterricht besuchen, der in den zentral gelegenen Schulen der Stadt angeboten wurde. Ein zusätzliches Angebot an Religionsunterricht bestand in der Klausschule in F 1, 11. Dort kam es noch 1935 zur Gründung einer Jeschiwa, einer Talmudhochschule. Durch Auswanderung und Deportation kam die Tätigkeit in der Jeschiwa bald wieder zum Erliegen. Seit 1933 waren Schüler in den allgemeinen Schulen der nationalsozialistischen Pädagogik und dem Hass von Lehrern und Mitschülern ausgesetzt. Die jüdische Gemeinde Mannheim rief daher 1934 eine eigene Schule ins Leben, anfänglich im Gebäude der Luisenschule, der heutigen Max-Hachenburg-Schule. 1935 kamen neue Klassen hinzu; 1936 wurde die nunmehr dreiklassige Volksschule in eine achtklassige umgewandelt. Die Unterstufe wurde in der Luisenschule, die höheren Klassen wurden im Schulhaus K 2, 6 und in den Räumen der Klausstiftung unterrichtet. An Lehrbüchern wurden Bestände aus der Weimarer Zeit benutzt. Die Fächer standen in Beziehung zum Judentum und bereiteten auf das Leben in den Auswanderungsländern vor. Die jüdische Schule durfte ab 1939 nur noch die drei Klassenräume der Klaus nutzen. Am 22.10.1940 wurden Schüler wie Lehrer nach Gurs verschleppt. Danach wurden etwa 30 Kinder, die aus "Mischehen" stammten oder nicht auf den Deportationslisten standen, im Haus B 7, 2 von auswärtigen Lehrers unterrichtet. Am 30.6.1942 wurde auch diese letzte jüdische Schulklasse verboten. |
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![]() Schule K 2, 6 |
![]() Schule K 2, 6 |
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| Jugendgruppen | |||
![]() Geschwister Levi in der Uniform des Esra-Jugendbundes. 1934 |
![]() Gruppe des Jüdischen Pfadfinderbunds. 1930 |
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Aus der deutschen Jugendbewegung gingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts jüdische Wandergruppen hervor. Sie organisierten sich in Bünden mit unterschiedlichen politischen und religiösen Anschauungen, waren sozialistisch bis kommunistisch, zionistisch bis deutsch, liberal bis orthodox eingestellt. Der erste zionistische Wanderbund war der 1912 gegründete "Blau-Weiß". Er bekam Zulauf von ostjüdischen Jugendlichen. Die deutschen organisierten sich mehrheitlich in Bünden wie den "Kameraden", die 1919 in Schlesien erstmals zusammentraten. Die Bünde veranstalteten Fahrten, Heimabende, Vorträge, Diskussionen und pflegten das Lagerleben, Volkstanz und Volkslied. Das bündische Leben in Mannheim begann kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit kleinen zionistischen Gruppen wie "Blau-Weiß", der 1926 in den "Jung-Jüdischen Wanderbund" J.J.W.B. überging. Auch die "Kameraden" spielten schon früh in Mannheim eine Rolle. Die aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrten Soldaten brachten Eindrücke vom Leben der Juden in Osteuropa mit. Auch ostjüdische Flüchtlinge beeinflussten die Jugendbünde. Eine "Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugend Mannheims" vereinigte ab 1922 Gruppen von "Blau-Weiß", vom Frontsoldatenbund, vom jüdischen Jugendbund, vom jüdischen Turnverein, von den "Kameraden" und aus der Verbindung an der Handelshochschule "Suevia". Rabbiner Dr. Max Grünewald gründete 1925 die "Jugendgemeinde" als Dachorganisation der Jugendbünde. Ihr Domizil wurde das "Schiffhaus" F 2, 14, das 1929 als "Jugendheim" ausgebaut wurde. Viele Eltern beobachteten die Jugendgemeinde wegen ihrer zionistischen Haltung mit Misstrauen. 1930 gab es etwa 450 organisierte jüdische Jugendliche in der Stadt. Die Unterschiede der Bünde wurden von einem J.J.W.B.-Mitglied so erlebt: "Die Kameraden schlossen sich uns nicht an, trotzdem sie bei uns schon fast "Werkleute" waren, d.h. sie waren Zionisten und Sozialisten. Sie gingen nicht mit dem J.J.W.B mit der Behauptung, daß er nicht sozialistisch genug sei [...] Tatsächlich war es eine soziologische Trennung. Die Kameraden gingen alle in die Mittelschule. Sie waren Kinder von deutsch geborenen Juden. In den Sommerferien fuhren sie an die Nordsee, machten große Touren [...] Die Kinder des J.J.W.B. waren von Juden aus Osteuropa, gingen aus finanziellen Gründen in den nahen Kiefernwald [Käfertaler Wald]." Die Kameraden, die dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nahe standen, schlossen sich später den "Werkleuten" an und gingen mit diesen 1935/36 im "Haschomer Hazair"(Der junge Wächter) auf, dem größten zionistischen Jugendbund. Zahlreiche Jugendliche verdanken ihm die Vorbereitung auf ihre Aliah. Die Werkleute verstanden sich als sozialistischer Jugendbund, als Baumeister, "Werkleute" einer besseren Gesellschaft. Sie waren von Martin Buber beeinflusst. Die bündische Organisation "Kadimah" (Vorwärts) entstand 1926 als zionistische Jugendbewegung mit deutsch-jüdischen Mitgliedern. Sie vereinigte sich 1933 mit dem J.J.P.D. zum größten chaluzischen Jugendbund Deutschlands. Die Jugend des sozialdemokratischen Zionismus war im "Habonim" (Aufbauer) organisiert, die der palästinensischen Arbeiterbewegung von David Ben Gurion entsprach. Auch sie organisierte die handwerkliche und landwirtschaftliche Hachschara-Ausbildung. Religiös orthodoxe Bünde wie "Esra", "Brith Hanoar" und "Benei Akiba" verknüpften die Forderung nach einem Leben gemäß der Tora mit dem zionistischen Gedanken. Aus einzelnen nichtzionistischen Gruppen entstand 1933 der "Ring, Bund Deutsch-Jüdischer Jugend", BDJJ. Ihm traten u.a. die in Mannheim 1930 entstandene C.V.-Jugend und der "JPD, Jüdische Pfadfinder Deutschlands" bei. In der Nazizeit wurde die Arbeit der Jugendbünde staatlich überwacht. Für die Fahrten musste die Genehmigung der Gestapo eingeholt werden. Im Jugendheim F 2, 14 trat zunehmend Stille ein. Nach dem Novemberpogrom 1938 war jede offizielle bündische Arbeit ausgeschlossen.
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| Ausflüge, Sport | |||
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Jugendgemeinde bei einer Mosel-Rhein-Lahn-Fahrt in Marburg. 1930 |
![]() Sportunterricht in Hof Schule K2, 6-1. 1936 |
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Max Nordau prägte um 1900 das Wort vom "Muskeljudentum". In dieser Zeit entstand in Berlin der jüdische Turnverein Bar Kochba mit zionistischer Ausrichtung. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg begann sich in Mannheim eine jüdische Turngruppe zu formieren. Juden deutscher Abkunft waren überwiegend in allgemeinen Mannheimer Sportvereinen wie dem TSV von 1846er verankert. Nur langsam entwickelte sich in den 20er Jahren der jüdische Turnverein zu einem angesehenen Glied der Mannheimer Sportvereine. Er hatte meist ostjüdische Mitglieder, die aufgeschlossen für zionistische Ideen waren. Der jüdische Turnverein nahm um 1925 den Namen "Turn- und Sportverein Bar Kochba" an. Er umfasste Fußball- und Handballmannschaften, Abteilungen für Gymnastik, Leichtathletik, Tischtennis, Ringen und eine Wandergruppe. Die Stadtverwaltung stellte Sportstätten zur Verfügung, z.B. die Turnhallen der Pestalozzi-, Liselotte- und Lessingschule sowie das Stadion. Die Mannschaften von Bar Kochba traten gegen andere Mannheimer oder auswärtige Vereine an, nahmen an Sportfesten teil, spielten gegen auswärtige jüdische Sportgruppen oder gegen Mannschaften der Jugendgemeinde. Die Heimabende von Bar Kochba waren von Vorträgen, Liedern, Spielen und Veranstaltungen mit nationaljüdischen Inhalten ausgefüllt. Die 1920 gegründete Mannheimer Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (RjF) unterhielt seit etwa 1925 eine Sportgruppe für überwiegend ehemalige Kämpfer des Ersten Weltkriegs. Die Turn- und Sportverein des RjF nannte sich "Schild" als Symbol der Abwehr gegen Antisemiten. Erheblichen Zulauf erfuhren der Bar Kochba und die Sportgruppe des RjF ab 1933. Jüdische Sportler wurden aus den allgemeinen Sportvereinen ausgeschlossenen. 1936 zählte der RjF etwa 420, der Bar Kochba rund 400 Mitglieder, die in je etwa 15 Sportmannschaften aktiv waren. An die Zeit zwischen 1933 und 1938 erinnert sich Morris L. Newman, ein ehemaliges Bar Kochba-Mitglied: "Natürlich konnten wir nur gegen andere jüdische Vereine in anderen Städten spielen. So ging es dann an Sonntagen per Lastwagen nach Karlsruhe, Frankfurt, Stuttgart, Darmstadt, Wiesbaden und so weit wie Leipzig und Köln für Fußball, Handball und Tischtennis. Mitglieder kamen auch aus Ludwigshafen und der badischen und pfälzischen Umgebung." Auswanderung und wachsende Bedrohung schränkten die Vereinstätigkeit immer stärker ein, bis nach dem Novemberpogrom 1938 beide Vereine aufgelöst wurden. |
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