Geschichte

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Die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Mannheim

Geschichte der Juden in Mannheim

Die Geschichte der Mannheimer Juden hat eine sehr lange und vielfältige Entwicklung. Das jüdische Leben in Mannheim berührt nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Quadratestadt.

Gründung der Jüdischen Gemeinde in Mannheim

Die Garnison und Festung Mannheim erhielt 1607 die Stadtprivilegien.

Die ersten Juden duften sich 1652 in Mannheim niederlassen. Es waren nur fünf jüdische Familien, sie kamen aus Pfeddersheim beim Worms. In den Folgejahren kamen noch einige wenige dazu, unter anderem einige sephardische Juden aus Portugal.

Kurfürst Karl I. erlässt am 1. September 1660 die erste „Judenkonzession“. Darin werden im Artikel zehn 13 Punkte beschrieben, die die Rechte und Pflichten der Juden regeln. Den Juden werden für die damalige Zeit weitgehende Privilegien eingeräumt, wie Gewerbe- und Religionsfreiheit. Die jüdische Gemeinde bekommt Autonomie und muss nicht im Getto wohnen. Allerdings war die Anzahl der Juden auf 84 Familien beschränkt und die Niederlassung in Mannheim war mit einer Baupflicht verbunden. Mit der Judenkonzession wurde aber auch die Sonderstellung der Stadtjuden gegenüber den Pfälzer Landjuden begründet.

Die Mannheimer Juden bauten bereits 1660 die erste Synagoge und gründeten einen „Judenrat“, der die Gemeindeangelegenheiten mit eigener Gerichtsbarkeit geregelt hat.

Ab diesem Zeitpunkt war die jüdische Gemeinde ein fester Bestandteil der Mannheimer Bevölkerung.

Die Konzessionen wurden mehrmals erneuert und die Juden bekamen immer mehr Rechte. Sie durften als Handwerker arbeiten und sich als Geschäftsleute und Händler betätigen.

Die den Juden zugesicherten Freiheiten und die Liberalität der Stadt führten dazu, dass relativ schnell viele Juden aus dem Umland, aber auch aus Böhmen, Österreich, Polen und Lothringen, nach Mannheim kamen. Damit waren auch ihre Handelsbeziehungen sehr weit gespannt.

1689 wurde Mannheim durch französische Truppen zerstört. Fast die gesamte Bevölkerung, auch die Juden, wurden vertrieben.

Erst fast zehn Jahre später konnte mühsam die Gemeinde wieder aufgebaut werden.

Um 1700 wurde eine kleine Synagoge in F2 eingeweiht. Diese wurde 1851 abgerissen und an derselben Stelle wurde eine größere Synagoge, die Hauptsynagoge, gebaut, weil die Gemeinde inzwischen stark angewachsen war.

Diese Hauptsynagoge war eine liberale Synagoge.

Bald danach, im Jahr 1708, wurde eine zweite Synagoge, die so genannte „Klaus Synagoge“ in F1, 11 eingeweiht. Diese Synagoge ist das Vermächtnis vom Lemle Moses Rheinganum (Rheingoonem). Mit einem Betrag von 100.000 Gulden, die er zur Gründung eines religiösen Lehrzentrums gestiftet hatte, wurde sie gebaut.

Dieses dreigeschossige Gebäude wurde zum Zentrum jüdischen Lebens für die orthodoxen Juden und das Talmudstudium. Das Gebäude wurde 1887/88 durch eine neue Synagoge ersetzt.

Die „Klaus Synagoge“ wurde am 9. November von den Nazi-Schergen geplündert und verbrannt. Auch die Hauptsynagoge wurde in der Nacht vom 9. auf 10. Nov. 1938 gesprengt.

Diese Tatsache, dass es in Mannheim zwei Synagogen gegeben hat, ist eine typische Erscheinung des 18. Jahrhunderts, wo sich zwei Gruppierungen, die orthodoxe und die liberale, bildeten.

Auch im früher selbstständigen Stadtteil Feudenheim gab es eine Synagoge, die zerstört wurde und zwei Friedhöfe, die noch existieren.

Mit der ersten Judenkonzession durften die Juden zum ersten Mal innerhalb der Stadtmauern einen Friedhof anlegen. Schon im Jahre 1661 wurde ein Friedhof in F7 angelegt. Dieser wurde ab 1842, nachdem neben dem städtischen Friedhof ein neuer Friedhof angelegt wurde, nicht mehr benutzt, aber nach jüdischem Gesetz erhalten. 1938 wurden die Toten auf Anordnung der Stadt exhumiert und auf dem neuen Friedhof in einem Sammelgrab beigesetzt.

Der gesamte Komplex des zum Friedhof gehörenden Gebäudes wurde am 10. November 1938 von den Nazis gesprengt. Erst 1954 wurden die Ruinen abgetragen und an derselben Stelle eine kleine Trauerhalle gebaut.

Eine weitere Konzession vom 31. Oktober 1698 von Kurfürst Johann Wilhelm erhöhte die Höchstzahl der jüdischen Familien von 84 auf 150.

Im 18. Jahrhundert mussten die Juden, die nach Mannheim ziehen wollten, ein Vermögen von mindestens 2.000 Gulden nachweisen. Diese Bedingung sollte den Zuzug von reichen Juden nach Mannheim fördern. Diese Vermögen halfen dem Aufbau der Stadt und der Entwicklung Mannheims zur Handelsmetropole. Zeigen durften die Juden ihren Reichtum aber nicht, die Kleiderordnung hat ihnen dies untersagt.

Die meisten Juden kamen ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Dies war möglich, weil Kurfürst Karl III. Philipp am 23.Mai 1717 die Höchstzahl auf 200 Familien erhöht hatte. Zu dieser Zeit waren die Juden etwa ein Achtel der Gesamtbevölkerung. Dadurch erfuhr die Mannheimer Wirtschaft erneut einen Aufschwung.

Schon 1750 gab es in Mannheim über 1.000 Gemeindemitglieder. So wurde Mannheim das „Jerusalem Deutschlands“ genannt. Insbesondere stieg die Zahl der Juden in Mannheim unter der Regierungszeit von Kurfürst Carl Theodor. Von 1717 bis 1771 verdoppelte sich ihre Zahl. Die Bevölkerung Mannheims hatte sich etwa im selben Zeitraum vervierfacht.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewann die Beteiligung der jüdischen Kaufleute an der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt immer größere Bedeutung. Viele neu entstehende Industrien wurden von Juden mit finanziert.

Die wirtschaftliche Situation der Juden in Mannheim

Um die Mitte des 18.Jahrhunderts waren unter den 225 jüdischen Familien 18 Hoffaktoren, die den Hof  mit Gütern und Dienstleistungen belieferten und dadurch wohlhabend wurden. Es zeigt die Bedeutung der Judenschaft für Regent und Stadt. Es kam zur Gründung von Privatsynagogen, die sich nur reichere Juden leisten konnten. 1778 wurde der Hof nach München verlegt. Die meisten der Hoffaktoren folgten Kurfürst Carl Theodor nach München.

Die Mehrheit der jüdischen Bürger allerdings lebte in bescheidenen Verhältnissen und sah ihre wirtschaftliche Tätigkeit im Handel mit Tuchen, Getreide, Tabak und Eisen.

Und es gab auch sehr arme Juden, die von sozialen Einrichtungen, wie  dem Krankenunterstützungsverein, dem Gevatterschaftsverein und der Verwaltungsbruderschaft zur Pflege kranker Kinder unterstützt wurden. Die jüdischen Ärzte mussten die Armen kostenlos behandeln.

Stiftungswesen

Jüdische Bürger der Stadt Mannheim haben bis in die dreißiger Jahre hinein viele Stiftungen für soziale Zwecke gegründet. Die Stiftungsvermögen wurden durch die Inflation in den zwanziger Jahren und den Währungsverfall in den vierziger Jahren sehr gemindert. Die Restvermögen aller Stiftungen wurde nach 1948 (Währungsreform) in der Vereinigten Jüdischen Erinnerungsstiftung zusammengefasst. Im Jahr 1968 kam als Zustiftung die Julius und Jette Hellman Stiftung hinzu.

Das Kapital besteht ausschließlich in Geldvermögen, vorwiegend in Wertpapieren.

Der Gemeinderat der Stadt Mannheim hat am 26.09.1978 die entsprechende Satzung beschlossen.

Die Zwecke der Stiftung sind:
a) Förderung von Einrichtungen und Maßnahmen der Altenhilfe, Jugendhilfe, Gesundheitshilfe und Behindertenhilfe;
b) Unterstützung von hilfsbedürftigen Personen;
c) Förderung der Forschung über die Geschichte der Juden in Mannheim.

Berühmte jüdische Bürger aus Mannheim

Jüdische Bürger haben in vielerlei Hinsichten zu der Entwicklung und zum guten Ruf Mannheims beigetragen.

Beispielhaft nenne ich die Namen von einigen jüdischen Persönlichkeiten, die in ihrem Wirken zur Entwicklung Mannheims maßgeblich beteiligt waren.

In der Wirtschaft:

  • Elias Hayun, der Gründer der Hoffaktorfamilie Mayer (1709 – 1766)
  • Wolf Hayun, Bankier und Juwelier
  • Abraham Isaak Struck, Großkaufmann Hoffaktorfamilie Sinzheimer
  • Die große und weit verzweigte Familie Ladenburg. Das Haupt der Familie war Wolf Ladenburg (1766 – 1851), Gründer des Bankhauses
  • Familie Joseph (1866 – 1911) und Emil Darmstädter (1850 – 1916) mit einer Stoff-Großhandlung
  • Familie Hohenemser (Joseph Hohenemser, 1875 – 1925) mit einem Bank- und Handelshaus
  • Lazarus Raphael Trautmann, Heereslieferant
  • Heinrich Traumann, Großkaufmann (1834 – 1868)
  • Großkaufmann Joseph Lallement. Er bekam als erster Jude in Mannheim das volle „Christliche Bürgerrecht“
  • Bernhard Herschel (1837 – 1905), Kaufmann und Stadtrat. Er stiftete der Stadt 1905 in seinem Testament eine halbe Million Goldmark mit der Auflage, im Stadtgebiet ein Hallenbad zu errichten und zu betreiben. Die große Anlage (es gibt drei Schwimmhallen, Wannenbäder, ein Römisch-Irisches Bad, ein Sonnenbad sowie als Kuriosum früher sogar ein Hundebad) ist seit 1920 in Betrieb und wird gegenwärtig generalsaniert

Im Rechtswesen:

  • Dr. Leopold Ladenburg (1809 – 1889), Wirtschaftsjurist und Advokat am Oberhofgericht, Vorkämpfer der Emanzipation der Juden
  • Max Hachenburg (1860 – 1951), er hat viele juristische Werke verfasst. Bedeutung haben vor allem die beiden Hauptwerke Hachenburgs, die ihm internationalen Ruf eintrugen, sein großer “Kommentar zum deutschen Handelsgesetzbuch” (1899 bis 1905). 3. Aufl. 1932-1934, und sein Kommentar zum GmbH -Gesetz, der im Jahre 1927 bereits in fünfter Auflage erschien
  • Dr. Joseph Darmstädter, sehr berühmter Rechtsanwalt

In der Wissenschaft:

  • Albert Ladenburg (1842 – 1911), Chemiker. Er war der Sohn des Juristen Leopold Ladenburg  und Enkel des Bankgründers Wolf Ladenburg
  • Ludwig Darmstädter (1846 – 1927), Chemiker und Wissenschaftshistoriker

In der Medizin:

  • Kinderarzt Dr. Eugen Neter (1876 – 1966), der sich freiwillig deportieren ließ
  • Dr. Julius Mannheim, Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Israeliten in Mannheim

In der Kultur:

Auch auf kulturellem Sektor gewannen Juden in Mannheim besondere Bedeutung.

Die Gründung der August-Lamey-Loge, die nach dem badischen liberalen Politiker benannt wurde, bewirkte 1849 die rechtliche Gleichstellung der Juden in Baden. Die Loge, die im Quadrat C4 in einem von Juden gekauften Gebäude untergebracht war, verstand sich einerseits als Verein zur Pflege der Geselligkeit, anderseits war sie der Förderung von Toleranz, Humanität, Wohlfahrt und der Aufklärung über das Judentum verpflichtet.

In Mannheim gab es auch den von Max Sinsheimer gegründeten Liederkranz, der durch seine Aufführungen im Mannheimer Rosengarten immer ein Publikumsmagnet war.

Der Wanderverein Blau-Weiß bot für Kinder und Jugendliche ab 1913 vielfältige Möglichkeiten zu Aktivitäten, die sehr den Unternehmungen der Wandervogelbewegung in Deutschland verwandt waren.

Einige sehr wichtige Jüdische Personen, die zur kulturellen Vielfalt der Stadt beigetragen haben sind:

  • Ernst Toch (1887 – 1964), Komponist
  • Max Sinzheimer, Musiker
  • Der die Kunsthalle prägende Direktor Gustav Friedrich Hartlaub (1884 – 1963) (ab 1923)
  • Paul Eppstein (1902 – 1944), erster Geschäftsführer des Vereins für Volksbildung, ein Vorläufer der Abendakademie. Eppstein war 27 Jahre alt, als er den Verein übernahmen, und Privatdozent für Volkswirtschaft und Soziologie. Er bekam Anfang1933 Berufsverbot und wurde im September 1944 in Theresienstadt ermordet

In der Politik:

  • Ludwig Frank (1874 – 1914), Jurist und Vorsitzender der SPD in Mannheim. Er war Abgeordneter seiner Partei im Badischen Landtag und im Reichstag. Er war ein liberaler Reformpolitiker. Die Liebe zu seinem Vaterland veranlasste ihn, wie so viele, sich freiwillig als Soldat im ersten Weltkrieg zu melden. Er fiel in der ersten Woche des Krieges. In einem Grußwort zum Stadtjubiläum Mannheim sagte er: “Mannheim wirke wie ein Stück junges Amerika im alten Deutschland“. Sein für ihn im Luisenpark errichtetes Denkmal wurde 1933 von den Nazis zerstört und abgetragen.

Nazizeit, Antisemitismus und Holocaust

Trotz des vielfältigen Engagements der Juden für die Stadt wurden sie immer wieder und offen angefeindet. Es gab sogar 1762 einen Plan, für die Juden ein Getto zu errichten. Der Plan wurde nicht realisiert.

Alle ihre Loyalität zu dem Land, das sie als ihr Vaterland verstanden, und ihr Einsatz für ihre Mitmenschen hat ihnen bzw. ihren Nachkommen nichts genutzt.

Im Jahr 1925 gab es 6972 Juden in Mannheim, im Juni 1933 wurden 6.400 Mitglieder gezählt. Im Mai 1939 betrug ihre Zahl nur noch 2.900, im Feb 1940 sind es nur noch ca. 2.400.

Bis 1933 gingen die jüdischen Schüler in allgemeine Schulen. Als ihnen dies vom Naziregime verboten wurde, wurde 1934 eine erste Jüdische Grundschule in der jetzigen Max- Hachenburg-Schule eingerichtet.

Ab 1936 wurden die höheren Klassen mit acht Einheiten in K2, 6 unterrichtet.

Das Jüdische Waisenhaus, das 1893 in R7, 24 gegründet wurde, leitete ab 1939 das Ehepaar Margarete und Moritz Oppenheimer. Im Oktober 1940 wurden sie mit zwei ihrer sechs Kinder und anderen Heiminsassen nach Gurs deportiert. Ihre Kinder konnten gerettet werden, aber sie und andere Kinder wurden in Auschwitz ermordet.

Das Jüdische Krankenhaus war in E5. Ab 1844 diente es auch als Armenhaus.

1936 wurde es beseitigt und an seiner Stelle das jetzige Rathaus gebaut.

In der Reichspogromnacht am 9. und 10. November 1938 haben die Nationalsozialisten und ihre Sympathisanten auch die Mannheimer Synagogen und Friedhofsgebäude verbrannt, gesprengt und die Einrichtung entweiht und zerstört.

Am 22.Oktober 1940 wurden über 2.000 jüdische Bürger von Mannheim nach Gurs, in Südfrankreich, deportiert und die meisten wurden in Auschwitz ermordet oder kamen vorher in Gurs um. Zu ihrem Gedenken wurde im Jahr 2003 in der Mannheimer Innenstadt ein gläserner Kubus errichtet. An seinen vier Seiten sind die Namen der ca. 2.400 deportierten und ermordeten Mannheimer Juden eingraviert.

Jüdisches Leben in Mannheim nach 1945

Direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben rund 120 Juden die Mannheimer Gemeinde wieder gegründet. Zunächst traf sich die Gemeinde in einem kleinen Gebetraum in R6, dann im ehemaligen jüdischen Waisenhaus in R7.

1957 wurde ein kleines Gemeindezentrum mit Synagoge in der Maximilianstraße errichtet.

Seit 1987 befindet sich das jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge, Mikwe und Veranstaltungsräumen in dem neuerrichteten Zentrum in F 3 am Rabbiner-Grünewald-Platz.

Die Gemeinde hatte bis Ende der 1980er Jahre ca. 400 Mitglieder, danach, durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen UdSSR, ist die Gemeinde auf ca. 500 Personen angewachsen.

Es finden regelmäßig am Schabbat und den jüdischen Feiertagen G“ttesdienste in der Synagoge statt.

Zusammenfassung: Majid Khoshlessan
Jüdische Gemeinde Mannheim